And the Darwin Award goes to …

Alle Jahre wieder wird der Darwin-Award verliehen – meist jedoch posthum.

In Erinnerung an den Vater der Evolutionstheorie, Charles Darwin, wird er jenen zugedacht, die den menschlichen Genpool dadurch bereicherten, dass sie sich selbst daraus entfernten.

Zu den Preisträgern in diesem Jahr gehörte auch ein Deutscher, der am 21. Mai 2017 einen Fahrkartenautomat in die Luft sprengte, um an das enthaltene Bargeld zu kommen. Die Explosion war jedoch so heftig, dass der Räuber von umherfliegenden Metallteilen tödlich getroffen wurde.

Shit happens.

Ein weiterer Preisträger ist der Argentinier, der seine Kronjuwelen dadurch einbüßte, dass er eine geladene und nicht entsicherte, illegale Waffe am Gürtel trug. Immerhin musste er nicht ins Gefängnis. Der Richter urteilte, er sei genug gestraft. Er hatte nicht nur seine Fortpflanzungsfähigkeit verloren, sondern auch seinen Job als Wachmann.

Meine Gewinner der Herzen sind aber jene Kanadagänse, die in den Frankfurter Zoo flogen. Leider landeten sie im Katzendschungel, Abteilung Löwen. Und leider hatte jene Löwen Hunger. Und so schnabulierten sie die unerwarteten Delikatessen. Es soll ihnen geschmeckt haben, obwohl weder Klöße noch Rotkraut dazu gereicht wurden.

Wie sagte meine Mutter doch immer so treffend:

Wenn die riesengroß die Not

schmeckt die Wurst auch ohne Brot.

 

Quellen:

http://www.darwinawards.com/darwin/darwin2017.html

http://www.fr.de/frankfurt/nilgaense-in-frankfurt-schmackhaft-so-ne-gans-a-1363955

 

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Mord im Orientexpess (Spoiler-Gefahr!)

Am 1. März 1932 wurde der zwanzig Monate alte Charles Lindbergh jun. entführt. Obwohl ein Lösegeld gezahlt wurde, wurde der Junge getötet. Seine Leiche wurde im Mai 1932 in der Nähe seines Elternhauses gefunden.

Sein Vater, Charles Lindbergh, war ein Pionier der Luftfahrt. Im Jahr 1927 war ihm der erste Transatlantikflug gelungen. Mit der „Spirit of Saint Louis“ flog er von New York nach Paris ohne Zwischenstopp.

Die Lindberghs waren prominent, das Verbrechen brutal. Obwohl es einen Verdächtigen gab, der später auch verurteilt und hingerichtet wurde, liegen das Wer und das Warum weiter im Dunkeln.

Die Lindbergh-Entführung galt lange als das Verbrechen des Jahrhunderts.

Im Jahr 1934 wurde der Kriminalroman „Murder on the Orient Express“ (Dtsch. „Mord im Orientexpress“) veröffentlicht. Agatha Christie nahm die Lindberg-Entführung zum Vorbild und schrieb einen zwar sehr klassischen „Who-dunit“-Roman, der sich aber auch mit den moralischen Aspekten von Rache und Selbstjustiz beschäftigt.

Bereits viermal ist der Roman verfilmt worden. Kenneth Brannagh hat nun die fünfte Verfilmung vorgelegt.

Er spielt einen sehr eitlen und von sich selbst überzeugten Poirot, der aber das Offensichtliche nicht sieht. Mein Seeheld, der weder das Buch noch einen der Filme kennt, hat mir die Auflösung nach der Hälfte des Films ins Ohr geflüstert.

Wobei ich persönlich denke, dass Brannagh das egal war.

Die Tatsache, dass alle Mitreisenden im Calais-Dover-Abteil irgendwie in die Entführung des Armstrong-Babys verstrickt waren und dass der Mitreisende Rattchet diese zwar in Auftrag gegeben und das Lösegeld kassiert, aber nie dafür vor Gericht gestanden hatte, ließen eigentlich nur eine Auflösung zu.

Poirot ist hin- und hergerissen.

Ein Mord ist begangen worden, ein Verbrechen, dass gesühnt werden muss.

Andererseits hat der Ermordete nicht nur ein Kind getötet, sondern Familien zerstört. Das Kindermädchen beging Selbstmord, ebenso die Eltern des Babys. Die Großmutter, eine bekannte Schauspielerin, zog sich von der Bühne zurück. Die Gouvernante floh nach Amerika, um den Erinnerungen zu entkommen. Usw. usw.

Letztlich entscheidet Poirot zum ersten Mal nicht auf Basis der Vernunft, sondern nach seinem Herzen. Wer kann es ihm verdenken?

„Mord im Orientexpress“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern, weil ich zum ersten und zum letzten Mal den Wunsch nach Rache und Selbstjustiz verstanden habe, auch wenn ich sie nicht gut heiße und ablehne.

Mit dem Film ging es mir ähnlich. Auch wenn mich persönlich Brannagh als Poirot nicht wirklich überzeugte.

Imposant ist allerdings, dass er – selbst für Nebenrollen – grandiose Schauspieler engagiert hat. Johnny Depp als Ratchett ist eine Offenbarung, auch wenn ich ihn nicht erkannt habe. Gleiches gilt für Judy Dench (Princess Dragomiroff), Michelle Pfeiffer (Caroline Hubbard) und Derek Jacobi (Edward Henry Masterman)

Und auch die Landschaftsaufnahmen sind grandios.

Kein klassischer Krimi, aber großes Kino.

Quellen:

https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Lindbergh

https://en.wikipedia.org/wiki/Murder_on_the_Orient_Express

https://en.wikipedia.org/wiki/Murder_on_the_Orient_Express_(2017_film)

https://en.wikipedia.org/wiki/Murder_on_the_Orient_Express_(2017_film)

Die Unsichtbaren – Wir wollen leben

Man sieht uns nicht,

man kennt uns nicht,

wir tragen keine Zeichen.

Die List des Feinds verbrennt uns nicht,

Er kann uns nicht erreichen.

(Das Netz der stummen Zellen)

 

Der Propagandaminister des 3. Reiches, Josef Goebbels, erklärte Berlin am 19. Juni 1943 für „judenfrei“.

Zu diesem Zeitpunkt lebten noch etwa 7.000 Juden in der Stadt – sie waren untergetaucht, sichtbar und doch unsichtbar. Nur etwa 1.500 von ihnen erlebten das Kriegsende.

Ihnen und ihren vielen Helferinnen und Helfern setzt der Film „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ ein eindrucksvolles Denkmal.

Vier von ihnen, Hanni Levy, Ruth Gumpel, Cioma Schönhaus und Eugen Friede, erzählen von dieser Zeit. Ihre wichtigsten Stationen in der Illegalität werden filmisch erzählt.

Hanni Levy lässt sich die Haare blond färben und wird so zur Arierin. Tagsüber spaziert sie über den Kurfürstendamm und verschwindet in der Menschenmenge. Um sich aufzuwärmen, geht sie ins Kino. Oft weiß sie nicht, wo sie die Nacht verbringen soll.

Schließlich nimmt sie allen Mut zusammen und vertraut sich einer Kinobetreiberin an, die sie dann versteckt.

Ruth Arndt (Ruth Gumpel) tarnt sich mit dunkler Kleidung und schwarzem Schleier als Kriegswitwe. Sie nimmt schließlich eine Stelle als Dienstmädchen bei einem hochrangigen Wehrmachtsoffizier an, der um ihr Geheimnis weiß. Sie überlebt das Grauen in der Höhle des Löwen.

Cioma Schönhaus, dem man sein schlitzohriges Wesen und seinen Humor selbst als alter Mann noch anmerkt, gibt sich als junger Soldat aus und übernachtet in Zimmern, die er über die Zimmervermittlung bekommt. Niemand dort will einen Ausweis sehen – sein Glück.

Da er künstlerisch geschickt ist, fertigt er falsche Pässe und Kennkarten für untergetauchte Juden an und kann so seinen Lebensunterhalt bestreiten.

Eugen Friede ist Sohn einer jüdischen Mutter und eines „arischen“ Vaters. Er muss den Stern tragen und Zwangsarbeit leisten. Als die letzten Juden deportiert werden sollen, gibt sein Vater ihn zu Fremden, die ihn verstecken.

Trotz des ernsten Themas ist „Die Unsichtbaren“ ein unglaublich positiver und mutmachender Film, der durchaus auch witzige Momente hat. Vereint hat alle der starke Wille, zu überleben und das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Die Frage, wem sie vertrauen können, hängt wie ein Damoklesschwert über den „Unsichtbaren“. Aber oft erhalten sie auch Hilfe, wenn und von wem sie es am wenigsten erwarten.

Eine der Helferinnen wurde gefragt, warum sie ihr Leben für andere Menschen riskiert. Ihre Antwort war: „Ich wollte mein Vaterland retten“.

„Wer auch immer ein einziges Leben rettet, der ist, als ob er die ganze Welt gerettet hätte“ (Talmud).

 

Quellen:

https://lautfragen.bandcamp.com/track/das-netz-der-stummen-zellen

https://www.welt.de/kultur/kino/article170133937/Als-blondes-Haar-ueber-Leben-und-Tod-entschied.html

https://www.epd-film.de/filmkritiken/die-unsichtbaren-wir-wollen-leben

https://www.epd-film.de/filmkritiken/die-unsichtbaren-wir-wollen-leben

http://www.mdr.de/kultur/empfehlungen/die-unsichtbaren-wir-wollen-leben-filmkritik-elstermann-100.html

https://www.talmud.de/tlmd/haeufige-fragen-zum-talmud/

The Circle

Die junge Mae Holland ist überglücklich, einen Job bei „The Circle“ zu erhalten. „The Circle“ ist ein Unternehmen im Social-Media-Bereich. Dort ist man bestrebt, alle digitalen Anwendungen zusammen zu führen, so dass alles nur über den „Circle“ abgewickelt werden kann. Von der Wahl über das Sozialleben bis zur Banktransaktion – man benötigt nur noch „The Circle“.

Als Mae nach einem Kajakunfall durch den „Circle“ und seine flächendeckenden und kaum zu identifizierenden Kameras gerettet wird und ihr Vater die dringend notwendige medizinische Behandlung bekommt, lässt sich die junge Frau auf ein Experiment ein. Ihr gesamtes Leben wird in Echtzeit gefilmt und kann beobachtet werden. Die einzigen unbeobachteten Momente sind die Toilettenpausen.

„The Circle“ ist ein Film, der zwar dystopisch, aber dennoch sehr real ist. Viele Menschen teilen auf Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerken auch sehr intime Momente ihres Lebens. Und dass die Polizei darum bittet, Bilder der eigenen Kinder nicht öffentlich zu posten, sagt viel über den gedankenlosen Gebrauch dieser Kommunikationsmittel aus.

Ich nutze selbst Facebook, Twitter und Whatsapp. In erster Linie möchte ich damit am Leben von Menschen teilhaben (vor allem Ex-KollegInnen), die früher kommentarlos aus meinem Umfeld verschwunden wären. Ich kann aber jeden verstehen, der diese Medien nicht nutzt und ihnen kritisch gegenübersteht.

Die Firmen, die soziale Medien anbieten, tun dies nicht aus altruistischen Gründen, sondern um Geld zu verdienen. Die gesammelten Daten sind Vermögen für werbende Firmen, denn personalisierte Werbung trifft eher auf Interesse und entsprechende Nachfrage. Solange mein Facebookstatus „Single“ war, bekam ich Werbung von Partnersuchbörsen. Seitdem ich „in einer Beziehung bin“, habe ich vor denen meine Ruhe.

Der Film hat keine guten Kritiken bekommen. Im Gegensatz zu den Kritikern fand ich ihn sehr gut und auch sehr beklemmend. Emma Watson mausert sich immer mehr zur Charakterdarstellerin, Tom Hanks war aber definitiv nicht die richtige Besetzung – und dabei kenne ich das Buch nicht einmal. Schurkenrollen mit Tom Hanks zu besetzen, kann nicht funktionieren, weil er ein viel zu ehrliches Gesicht hat.

Gestört hat mich das Ende des Films – und um ehrlich zu sein, habe ich es nicht verstanden. Eine bessere Zukunft kann nicht in mehr, sondern nur in weniger Überwachung liegen. Die „Moral aus der Geschicht“ wäre für mich gewesen, sich das Private zurück zu holen.

„The Circle“ ist „1984“ – aber nicht für Dumme, wie es die SZ geschrieben hat, sondern für die Generation des 21. Jahrhunderts.

„Big Brother is watching you“.

 

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Circle_(2017)

http://www.spiegel.de/kultur/kino/the-circle-mit-emma-watson-und-tom-hanks-herrin-der-killerfliegen-a-1166056.html

http://www.sueddeutsche.de/kultur/the-circle-im-kino-the-circle-ist-fuer-arme-1.3654035

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/video-filmkritiken/the-circle-mit-emma-watson-in-der-filmkritik-15184826.html

 

 

Peace

„Peace is not the absence of conflict, but the ability to cope with it.“

(Ed Fornieles)

 

„Wie geht Frieden eigentlich?“

Diese Frage kann man als große Überschrift über die Ausstellung „Peace“ in der Frankfurter Kunsthalle „Schirn“ begreifen.

In einer Zeit, in der Frieden wieder in weite Ferne gerückt und höchstens noch für Alt-Linke und weltentrückte Idealisten ein Thema ist, präsentiert die „Schirn“ eine enttäuschend unpolitische Ausstellung. Dies ist gewollt, der Fokus soll auf Interaktion und Kommunikation der Individuen und den natürlichen Aspekten des Zusammenlebens liegen.

Wenn man sich den „Frieden im individuellen Leben“ ansieht, so ist er eines nicht: die Abwesenheit von Konflikten. Natürlich gibt es Meinungsverschiedenheiten, natürlich gibt es Streit, man ärgert sich, fühlt sich missverstanden, nicht respektiert … Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Und wenn ich mir unsere immer gewalttätigere Gesellschaft ansehe, dann zweifele ich daran, dass heute noch jemand so etwas wie produktive Konfliktbewältigung lernt. Dass die „eigene“ Parkbank mit dem Messer verteidigt oder beim Kampf um den Parkplatz andere Verkehrsteilnehmer verletzt werden, gab es früher in dieser Form nicht.

Empfangen wird man von Lee Mingweis „The letter writing project“ (1998/2017). Es sind drei Holzhäuschen, in denen Menschen Briefe schreiben können. Sie können diese entweder verschließen oder offen hinterlassen.

Ich habe einige dieser offenen Briefe gelesen. Es waren meist Entschuldigungen bei Lebenden, Danksagungen an Verstorbene, aber auch politische Wünsche („No more Trump“). Mit sich selbst oder mit anderen Frieden zu schließen und abzuschließen, ist ein menschliches Bedürfnis.

Ed Fornieles setzt sich in „Sim Vol. 1: Existential risk“ aus dem Jahr 2017 in Form von Computerspielen mit apokalyptischen Szenarien auseinander.

Die Spieler übernehmen ihre Rolle als Avatare und spielen sich durch verschiedene Szenarien (Begegnung mit Außerirdischen, ein tödliches Virus etc.) und lassen den Zuschauer an ihren Gefühlen und Intentionen teilhaben. Was das Ganze sehr spannend macht, ist die Auseinandersetzung mit der Frage, ob man seine Menschlichkeit unter unmenschlichen Gegebenheiten noch aufrechterhalten kann. Und natürlich, warum etwas von außen erst einmal ausschließlich feindselig sein kann. Nur ein einziger Mitspieler hatte keine Angst vor den Außerirdischen und wollte friedlichen Kontakt aufnehmen.

Die „politischste“ Künstlerin in der Ausstellung ist mit Sicherheit Minerva Cuevas. Ihr Metier sind Installationen und Statements. In „Egalité“ aus dem Jahr 2004 setzt sie sich kritisch mit Herstellung und Vertrieb von Nahrungsmitteln durch große Konzerne und mit deren Produkt Design und Corporate Identity auseinander. Das Wort „Egalité“ (Gleichheit) prangt auf dem Etikett einer Wasserflasche von Vian.

Wem gehört das Wasser? Wem gehören die Grundnahrungsmittel? Sind alle Menschen gleich? – wohl eher nicht. Wer Geld hat, hat Zugriff auf sauberes Trinkwasser, wer keines hat, muss kilometerlang zur nächsten Wasserstelle laufen und verschmutztes Wasser trinken.

Minerva Cuevas ist Gründerin der „Mejor Vida Corp“ (Better Life Corporation), die kostenlose Fahrkarten, Lebensmittelmarken und anderes für Bedürftige zur Verfügung stellt.

Das Beste an der Ausstellung war allerdings, dass die hinteren Fenster offen waren und einen atemberaubenden Blick auf den benachbarten Dom erlaubten. Damit ist alles gesagt.

Ich selbst war in den 80er und 90er Jahren Friedensaktivistin. Damals hing der atomare 3. Weltkrieg über unseren Köpfen wie ein Damoklesschwert. Trotz des Endes des kalten Krieges und der Auflösung der Blöcke hat sich wenig geändert. Im Gegenteil, die Situation ist eher brenzliger geworden, seitdem sich Atomwaffen auch in der Hand von Diktatoren befinden. Leider wird dies genauso wenig thematisiert wie der – mittlerweile schon fast alltägliche Terrorismus – durch welche –isten auch immer.

 

 

Quellen:

http://www.schirn.de/ausstellungen/2017/peace/

http://www.schirn-peace.org/

http://www.schirn-peace.org/post/ed-fornieles-sim-vol-1-existential-risk/

http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Messer-Streit-um-Parkbank-id4075671.html

https://en.wikipedia.org/wiki/Minerva_Cuevas

http://www.irational.org/mvc/english.html

 

Kedi – Von Katzen und Menschen

Ich stelle es mir großartig vor, Katze zu sein.

 Du kommst und gehst, wie es dir passt,

 wirst gefüttert und gestreichelt.

 Niemand erwartet viel von dir.

 Du kannst mit den Menschen spielen,

 und wenn du genug hast, gehst

 du einfach weg.

 Du kannst dir deinen Umgang aussuchen.

 Mehr kann man nicht verlangen.

~ Patrica McPherson ~

 

Ich persönlich gehöre zu der Spezies Mensch, die zwar Hunde nicht mag, Katzen aber vergöttert.

Hunde sind für mich die Faschisten des Tierreichs – gehorsame Rudeltiere, die das Alphatier vergöttern. Sozusagen das tiergewordene Führerprinzip.

Ich erinnere mich sehr lebhaft an eine Dame, die wir in unserer antifaschistischen Arbeitsgemeinschaft zu Gast hatten. Sie hatte Auschwitz überlebt und hatte – genau wie ich, jedoch aus anderen Gründen – eine ausgeprägte Hundephobie.

Dass eines unserer Mitglieder ihren deutschen Schäferhund meinte mitbringen zu müssen, war also keine gute Idee.

Die Auschwitz-Überlebende erzählte von KZ-Aufsehern, die ihre Hunde auf Menschen abgerichtet hatten, und – nur zum Vergnügen – die Tiere auf die Häftlinge hetzten.

Und nein: die Schuld einzig dem Menschen zu geben, ist falsch. Es funktioniert nur, weil Hunde blind gehorchen. Man versuche doch einmal, einen Tiger oder einen Löwen auf den Menschen zu dressieren – man wird höchstens selbst gefressen.

 

„Katzen sind schlauer als Hunde. Du wirst niemals acht Katzen dazu bringen,

 einen Schlitten durch den Schnee zu ziehen.“

~ Jeff Valdez ~

Katzen sind Anarchisten auf samtigen Pfötchen. Sie können wunderbar alleine überleben und brauchen den Menschen nicht. In unseren Wäldern gibt es wieder Waldkatzen. Dass es sie gibt, weiß man nur dank moderner Überwachungstechnik. Sie sind scheu und gehen dem Menschen wohlweißlich aus dem Weg.

Aber der Mensch braucht die Katze. Damit wären wir bei „Kedi – Von Katzen und Menschen“.

Kedi ist das türkische Wort für Katze. Der türkische Dokumentarfilmer Ceyda Torun begleitet die Straßenkatzen Istanbuls und spricht mit den Menschen, die sich um die Tiere kümmern.

In erster Linie ist „Kedi“ ein Film über Katzen. Wir lernen Sari, Duman, Bengü, Aslan Parcasi, Gamsiz, Psikopat und Denis kennen. Katzen unterschiedlichster Fellfarben und Charaktere.

Und natürlich ihre Menschen. Die Ladenbesitzer und Fischer, die die Katzen tolerieren, weil sie ihnen die lästigen Ratten und Mäuse von der Ware fernhält. Und die, die Depressionen oder Phobien haben, in Trauer oder Einsamkeit versinken und durch die Katzen den Weg ins Leben zurück gefunden haben.

Oft denk ich, viel mehr Leute sollten Katzen haben.

Sie würden von ihnen eine Menge über den Umgang mit Menschen lernen.  

~ Barbara Rütting ~

„Kedi“ ist ein zauberhafter Film über magische Geschöpfe und eine der interessantesten Städte Europas. Ich persönlich hoffe, dass die Ära Erdogan bald vorüber ist und die Türkei sich wieder zu Demokratie und Menschenrechten bekennt. Denn meine Sehnsucht nach Istanbul ist nach diesem Film noch größer geworden.

Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe

~ Rainer-Maria Rilke ~

 

Quellen:

https://www.kedifilm.com/

https://hummel6973.jimdo.com/katzen-zitate-spr%C3%BCche/

http://www.zeit.de/kultur/film/2017-08/kedi-katzendoku-tuerkei-film/komplettansicht

Rot

Ich gebe ehrlich zu, dass ich wenig auf die Farben in einem Film achte.

Natürlich ist es mir nicht entgangen, dass bestimmte Stimmungen in Filmen unterschiedlich dargestellt werden. Man denke nur an das düstere London in „Sweeney Todd“.

Zum Thema „Rot im Film“ ist mir bislang eigentlich nur „Schindlers Liste“ eingefallen. Der Film selbst ist in Schwarz-Weiß, nur der Mantel des kleinen jüdischen Mädchens ist ein dunkles Rot. Er verfolgt Oscar Schindler und ist vermutlich der Grund, sich für seine jüdischen Arbeiter zu engagieren.

Auch in unserem Leben ist Rot eine besondere Farbe. Straßenschilder, die vor etwas warnen, sind rot umrandet. Eine rote Ampel lässt uns anhalten. Rot bedeutet Gefahr, Vorsicht.

Rot steht jedoch auch für Erotik, Verführung, Begehren und für Heldentum, Außenseiter und Rebellion.

Die Farbe Rot zieht, wie kaum eine andere, die Aufmerksamkeit auf sich.

Der Film begann in Schwarz-Weiß, obwohl natürlich „in Farbe“ gedreht wurde. Manchmal wurden einzelne Filmszenen nachcoloriert. Ohne Kollege Computer war das reine Handarbeit und sehr mühsam.

Im Jahr 1931 wurde die rote Fahne im Film „Ins dritte Reich“ von der Oberprüfstelle zensiert. In der untergehenden Weimarer Republik und dem aufziehenden Faschismus war das eine politische Provokation.

„Rot“ ist nicht nur eine Ausstellung, sondern eine Installation. Zu jedem Aspekt (Kostüme, Maske, Set etc.) gibt es Ausschnitte ausgewählter Filme. Eine Abteilung ist Pedro Almodovar gewidmet, der sehr bewusst in seinen Filmen mit Rot gearbeitet hat.

Und natürlich gibt es auch die Splatter- und Blutabteilung. Ich bin zwar hart im Nehmen, aber manches war auch mir zu viel.

Die notwendigen Informationen wurden vom Boden abgestrahlt und konnten mit Hilfe einer Karte projiziert werden. Damit konnte zwar die Ausstellung ganz in Schwarz-Rot gehalten werden, aber leider konnte immer nur ein Besucher die Erklärungen lesen.

„Rot“ hat mein Sehen geschärft. Und auch das Gefühl dafür, dass die Farbe nicht nur etwas ist, was da ist, sondern Teil eines Gesamtkunstwerks.

 

Quellen:

http://rot.deutsches-filmmuseum.de/

http://rot.deutsches-filmmuseum.de/zur-eroeffnung-von-rot/

http://www.imdb.com/find?ref_=nv_sr_fn&q=Almodovar&s=all