Die Unsichtbaren – Wir wollen leben

Man sieht uns nicht,

man kennt uns nicht,

wir tragen keine Zeichen.

Die List des Feinds verbrennt uns nicht,

Er kann uns nicht erreichen.

(Das Netz der stummen Zellen)

 

Der Propagandaminister des 3. Reiches, Josef Goebbels, erklärte Berlin am 19. Juni 1943 für „judenfrei“.

Zu diesem Zeitpunkt lebten noch etwa 7.000 Juden in der Stadt – sie waren untergetaucht, sichtbar und doch unsichtbar. Nur etwa 1.500 von ihnen erlebten das Kriegsende.

Ihnen und ihren vielen Helferinnen und Helfern setzt der Film „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ ein eindrucksvolles Denkmal.

Vier von ihnen, Hanni Levy, Ruth Gumpel, Cioma Schönhaus und Eugen Friede, erzählen von dieser Zeit. Ihre wichtigsten Stationen in der Illegalität werden filmisch erzählt.

Hanni Levy lässt sich die Haare blond färben und wird so zur Arierin. Tagsüber spaziert sie über den Kurfürstendamm und verschwindet in der Menschenmenge. Um sich aufzuwärmen, geht sie ins Kino. Oft weiß sie nicht, wo sie die Nacht verbringen soll.

Schließlich nimmt sie allen Mut zusammen und vertraut sich einer Kinobetreiberin an, die sie dann versteckt.

Ruth Arndt (Ruth Gumpel) tarnt sich mit dunkler Kleidung und schwarzem Schleier als Kriegswitwe. Sie nimmt schließlich eine Stelle als Dienstmädchen bei einem hochrangigen Wehrmachtsoffizier an, der um ihr Geheimnis weiß. Sie überlebt das Grauen in der Höhle des Löwen.

Cioma Schönhaus, dem man sein schlitzohriges Wesen und seinen Humor selbst als alter Mann noch anmerkt, gibt sich als junger Soldat aus und übernachtet in Zimmern, die er über die Zimmervermittlung bekommt. Niemand dort will einen Ausweis sehen – sein Glück.

Da er künstlerisch geschickt ist, fertigt er falsche Pässe und Kennkarten für untergetauchte Juden an und kann so seinen Lebensunterhalt bestreiten.

Eugen Friede ist Sohn einer jüdischen Mutter und eines „arischen“ Vaters. Er muss den Stern tragen und Zwangsarbeit leisten. Als die letzten Juden deportiert werden sollen, gibt sein Vater ihn zu Fremden, die ihn verstecken.

Trotz des ernsten Themas ist „Die Unsichtbaren“ ein unglaublich positiver und mutmachender Film, der durchaus auch witzige Momente hat. Vereint hat alle der starke Wille, zu überleben und das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Die Frage, wem sie vertrauen können, hängt wie ein Damoklesschwert über den „Unsichtbaren“. Aber oft erhalten sie auch Hilfe, wenn und von wem sie es am wenigsten erwarten.

Eine der Helferinnen wurde gefragt, warum sie ihr Leben für andere Menschen riskiert. Ihre Antwort war: „Ich wollte mein Vaterland retten“.

„Wer auch immer ein einziges Leben rettet, der ist, als ob er die ganze Welt gerettet hätte“ (Talmud).

 

Quellen:

https://lautfragen.bandcamp.com/track/das-netz-der-stummen-zellen

https://www.welt.de/kultur/kino/article170133937/Als-blondes-Haar-ueber-Leben-und-Tod-entschied.html

https://www.epd-film.de/filmkritiken/die-unsichtbaren-wir-wollen-leben

https://www.epd-film.de/filmkritiken/die-unsichtbaren-wir-wollen-leben

http://www.mdr.de/kultur/empfehlungen/die-unsichtbaren-wir-wollen-leben-filmkritik-elstermann-100.html

https://www.talmud.de/tlmd/haeufige-fragen-zum-talmud/

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The Circle

Die junge Mae Holland ist überglücklich, einen Job bei „The Circle“ zu erhalten. „The Circle“ ist ein Unternehmen im Social-Media-Bereich. Dort ist man bestrebt, alle digitalen Anwendungen zusammen zu führen, so dass alles nur über den „Circle“ abgewickelt werden kann. Von der Wahl über das Sozialleben bis zur Banktransaktion – man benötigt nur noch „The Circle“.

Als Mae nach einem Kajakunfall durch den „Circle“ und seine flächendeckenden und kaum zu identifizierenden Kameras gerettet wird und ihr Vater die dringend notwendige medizinische Behandlung bekommt, lässt sich die junge Frau auf ein Experiment ein. Ihr gesamtes Leben wird in Echtzeit gefilmt und kann beobachtet werden. Die einzigen unbeobachteten Momente sind die Toilettenpausen.

„The Circle“ ist ein Film, der zwar dystopisch, aber dennoch sehr real ist. Viele Menschen teilen auf Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerken auch sehr intime Momente ihres Lebens. Und dass die Polizei darum bittet, Bilder der eigenen Kinder nicht öffentlich zu posten, sagt viel über den gedankenlosen Gebrauch dieser Kommunikationsmittel aus.

Ich nutze selbst Facebook, Twitter und Whatsapp. In erster Linie möchte ich damit am Leben von Menschen teilhaben (vor allem Ex-KollegInnen), die früher kommentarlos aus meinem Umfeld verschwunden wären. Ich kann aber jeden verstehen, der diese Medien nicht nutzt und ihnen kritisch gegenübersteht.

Die Firmen, die soziale Medien anbieten, tun dies nicht aus altruistischen Gründen, sondern um Geld zu verdienen. Die gesammelten Daten sind Vermögen für werbende Firmen, denn personalisierte Werbung trifft eher auf Interesse und entsprechende Nachfrage. Solange mein Facebookstatus „Single“ war, bekam ich Werbung von Partnersuchbörsen. Seitdem ich „in einer Beziehung bin“, habe ich vor denen meine Ruhe.

Der Film hat keine guten Kritiken bekommen. Im Gegensatz zu den Kritikern fand ich ihn sehr gut und auch sehr beklemmend. Emma Watson mausert sich immer mehr zur Charakterdarstellerin, Tom Hanks war aber definitiv nicht die richtige Besetzung – und dabei kenne ich das Buch nicht einmal. Schurkenrollen mit Tom Hanks zu besetzen, kann nicht funktionieren, weil er ein viel zu ehrliches Gesicht hat.

Gestört hat mich das Ende des Films – und um ehrlich zu sein, habe ich es nicht verstanden. Eine bessere Zukunft kann nicht in mehr, sondern nur in weniger Überwachung liegen. Die „Moral aus der Geschicht“ wäre für mich gewesen, sich das Private zurück zu holen.

„The Circle“ ist „1984“ – aber nicht für Dumme, wie es die SZ geschrieben hat, sondern für die Generation des 21. Jahrhunderts.

„Big Brother is watching you“.

 

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Circle_(2017)

http://www.spiegel.de/kultur/kino/the-circle-mit-emma-watson-und-tom-hanks-herrin-der-killerfliegen-a-1166056.html

http://www.sueddeutsche.de/kultur/the-circle-im-kino-the-circle-ist-fuer-arme-1.3654035

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/video-filmkritiken/the-circle-mit-emma-watson-in-der-filmkritik-15184826.html

 

 

Peace

„Peace is not the absence of conflict, but the ability to cope with it.“

(Ed Fornieles)

 

„Wie geht Frieden eigentlich?“

Diese Frage kann man als große Überschrift über die Ausstellung „Peace“ in der Frankfurter Kunsthalle „Schirn“ begreifen.

In einer Zeit, in der Frieden wieder in weite Ferne gerückt und höchstens noch für Alt-Linke und weltentrückte Idealisten ein Thema ist, präsentiert die „Schirn“ eine enttäuschend unpolitische Ausstellung. Dies ist gewollt, der Fokus soll auf Interaktion und Kommunikation der Individuen und den natürlichen Aspekten des Zusammenlebens liegen.

Wenn man sich den „Frieden im individuellen Leben“ ansieht, so ist er eines nicht: die Abwesenheit von Konflikten. Natürlich gibt es Meinungsverschiedenheiten, natürlich gibt es Streit, man ärgert sich, fühlt sich missverstanden, nicht respektiert … Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Und wenn ich mir unsere immer gewalttätigere Gesellschaft ansehe, dann zweifele ich daran, dass heute noch jemand so etwas wie produktive Konfliktbewältigung lernt. Dass die „eigene“ Parkbank mit dem Messer verteidigt oder beim Kampf um den Parkplatz andere Verkehrsteilnehmer verletzt werden, gab es früher in dieser Form nicht.

Empfangen wird man von Lee Mingweis „The letter writing project“ (1998/2017). Es sind drei Holzhäuschen, in denen Menschen Briefe schreiben können. Sie können diese entweder verschließen oder offen hinterlassen.

Ich habe einige dieser offenen Briefe gelesen. Es waren meist Entschuldigungen bei Lebenden, Danksagungen an Verstorbene, aber auch politische Wünsche („No more Trump“). Mit sich selbst oder mit anderen Frieden zu schließen und abzuschließen, ist ein menschliches Bedürfnis.

Ed Fornieles setzt sich in „Sim Vol. 1: Existential risk“ aus dem Jahr 2017 in Form von Computerspielen mit apokalyptischen Szenarien auseinander.

Die Spieler übernehmen ihre Rolle als Avatare und spielen sich durch verschiedene Szenarien (Begegnung mit Außerirdischen, ein tödliches Virus etc.) und lassen den Zuschauer an ihren Gefühlen und Intentionen teilhaben. Was das Ganze sehr spannend macht, ist die Auseinandersetzung mit der Frage, ob man seine Menschlichkeit unter unmenschlichen Gegebenheiten noch aufrechterhalten kann. Und natürlich, warum etwas von außen erst einmal ausschließlich feindselig sein kann. Nur ein einziger Mitspieler hatte keine Angst vor den Außerirdischen und wollte friedlichen Kontakt aufnehmen.

Die „politischste“ Künstlerin in der Ausstellung ist mit Sicherheit Minerva Cuevas. Ihr Metier sind Installationen und Statements. In „Egalité“ aus dem Jahr 2004 setzt sie sich kritisch mit Herstellung und Vertrieb von Nahrungsmitteln durch große Konzerne und mit deren Produkt Design und Corporate Identity auseinander. Das Wort „Egalité“ (Gleichheit) prangt auf dem Etikett einer Wasserflasche von Vian.

Wem gehört das Wasser? Wem gehören die Grundnahrungsmittel? Sind alle Menschen gleich? – wohl eher nicht. Wer Geld hat, hat Zugriff auf sauberes Trinkwasser, wer keines hat, muss kilometerlang zur nächsten Wasserstelle laufen und verschmutztes Wasser trinken.

Minerva Cuevas ist Gründerin der „Mejor Vida Corp“ (Better Life Corporation), die kostenlose Fahrkarten, Lebensmittelmarken und anderes für Bedürftige zur Verfügung stellt.

Das Beste an der Ausstellung war allerdings, dass die hinteren Fenster offen waren und einen atemberaubenden Blick auf den benachbarten Dom erlaubten. Damit ist alles gesagt.

Ich selbst war in den 80er und 90er Jahren Friedensaktivistin. Damals hing der atomare 3. Weltkrieg über unseren Köpfen wie ein Damoklesschwert. Trotz des Endes des kalten Krieges und der Auflösung der Blöcke hat sich wenig geändert. Im Gegenteil, die Situation ist eher brenzliger geworden, seitdem sich Atomwaffen auch in der Hand von Diktatoren befinden. Leider wird dies genauso wenig thematisiert wie der – mittlerweile schon fast alltägliche Terrorismus – durch welche –isten auch immer.

 

 

Quellen:

http://www.schirn.de/ausstellungen/2017/peace/

http://www.schirn-peace.org/

http://www.schirn-peace.org/post/ed-fornieles-sim-vol-1-existential-risk/

http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Messer-Streit-um-Parkbank-id4075671.html

https://en.wikipedia.org/wiki/Minerva_Cuevas

http://www.irational.org/mvc/english.html

 

Kedi – Von Katzen und Menschen

Ich stelle es mir großartig vor, Katze zu sein.

 Du kommst und gehst, wie es dir passt,

 wirst gefüttert und gestreichelt.

 Niemand erwartet viel von dir.

 Du kannst mit den Menschen spielen,

 und wenn du genug hast, gehst

 du einfach weg.

 Du kannst dir deinen Umgang aussuchen.

 Mehr kann man nicht verlangen.

~ Patrica McPherson ~

 

Ich persönlich gehöre zu der Spezies Mensch, die zwar Hunde nicht mag, Katzen aber vergöttert.

Hunde sind für mich die Faschisten des Tierreichs – gehorsame Rudeltiere, die das Alphatier vergöttern. Sozusagen das tiergewordene Führerprinzip.

Ich erinnere mich sehr lebhaft an eine Dame, die wir in unserer antifaschistischen Arbeitsgemeinschaft zu Gast hatten. Sie hatte Auschwitz überlebt und hatte – genau wie ich, jedoch aus anderen Gründen – eine ausgeprägte Hundephobie.

Dass eines unserer Mitglieder ihren deutschen Schäferhund meinte mitbringen zu müssen, war also keine gute Idee.

Die Auschwitz-Überlebende erzählte von KZ-Aufsehern, die ihre Hunde auf Menschen abgerichtet hatten, und – nur zum Vergnügen – die Tiere auf die Häftlinge hetzten.

Und nein: die Schuld einzig dem Menschen zu geben, ist falsch. Es funktioniert nur, weil Hunde blind gehorchen. Man versuche doch einmal, einen Tiger oder einen Löwen auf den Menschen zu dressieren – man wird höchstens selbst gefressen.

 

„Katzen sind schlauer als Hunde. Du wirst niemals acht Katzen dazu bringen,

 einen Schlitten durch den Schnee zu ziehen.“

~ Jeff Valdez ~

Katzen sind Anarchisten auf samtigen Pfötchen. Sie können wunderbar alleine überleben und brauchen den Menschen nicht. In unseren Wäldern gibt es wieder Waldkatzen. Dass es sie gibt, weiß man nur dank moderner Überwachungstechnik. Sie sind scheu und gehen dem Menschen wohlweißlich aus dem Weg.

Aber der Mensch braucht die Katze. Damit wären wir bei „Kedi – Von Katzen und Menschen“.

Kedi ist das türkische Wort für Katze. Der türkische Dokumentarfilmer Ceyda Torun begleitet die Straßenkatzen Istanbuls und spricht mit den Menschen, die sich um die Tiere kümmern.

In erster Linie ist „Kedi“ ein Film über Katzen. Wir lernen Sari, Duman, Bengü, Aslan Parcasi, Gamsiz, Psikopat und Denis kennen. Katzen unterschiedlichster Fellfarben und Charaktere.

Und natürlich ihre Menschen. Die Ladenbesitzer und Fischer, die die Katzen tolerieren, weil sie ihnen die lästigen Ratten und Mäuse von der Ware fernhält. Und die, die Depressionen oder Phobien haben, in Trauer oder Einsamkeit versinken und durch die Katzen den Weg ins Leben zurück gefunden haben.

Oft denk ich, viel mehr Leute sollten Katzen haben.

Sie würden von ihnen eine Menge über den Umgang mit Menschen lernen.  

~ Barbara Rütting ~

„Kedi“ ist ein zauberhafter Film über magische Geschöpfe und eine der interessantesten Städte Europas. Ich persönlich hoffe, dass die Ära Erdogan bald vorüber ist und die Türkei sich wieder zu Demokratie und Menschenrechten bekennt. Denn meine Sehnsucht nach Istanbul ist nach diesem Film noch größer geworden.

Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe

~ Rainer-Maria Rilke ~

 

Quellen:

https://www.kedifilm.com/

https://hummel6973.jimdo.com/katzen-zitate-spr%C3%BCche/

http://www.zeit.de/kultur/film/2017-08/kedi-katzendoku-tuerkei-film/komplettansicht

Rot

Ich gebe ehrlich zu, dass ich wenig auf die Farben in einem Film achte.

Natürlich ist es mir nicht entgangen, dass bestimmte Stimmungen in Filmen unterschiedlich dargestellt werden. Man denke nur an das düstere London in „Sweeney Todd“.

Zum Thema „Rot im Film“ ist mir bislang eigentlich nur „Schindlers Liste“ eingefallen. Der Film selbst ist in Schwarz-Weiß, nur der Mantel des kleinen jüdischen Mädchens ist ein dunkles Rot. Er verfolgt Oscar Schindler und ist vermutlich der Grund, sich für seine jüdischen Arbeiter zu engagieren.

Auch in unserem Leben ist Rot eine besondere Farbe. Straßenschilder, die vor etwas warnen, sind rot umrandet. Eine rote Ampel lässt uns anhalten. Rot bedeutet Gefahr, Vorsicht.

Rot steht jedoch auch für Erotik, Verführung, Begehren und für Heldentum, Außenseiter und Rebellion.

Die Farbe Rot zieht, wie kaum eine andere, die Aufmerksamkeit auf sich.

Der Film begann in Schwarz-Weiß, obwohl natürlich „in Farbe“ gedreht wurde. Manchmal wurden einzelne Filmszenen nachcoloriert. Ohne Kollege Computer war das reine Handarbeit und sehr mühsam.

Im Jahr 1931 wurde die rote Fahne im Film „Ins dritte Reich“ von der Oberprüfstelle zensiert. In der untergehenden Weimarer Republik und dem aufziehenden Faschismus war das eine politische Provokation.

„Rot“ ist nicht nur eine Ausstellung, sondern eine Installation. Zu jedem Aspekt (Kostüme, Maske, Set etc.) gibt es Ausschnitte ausgewählter Filme. Eine Abteilung ist Pedro Almodovar gewidmet, der sehr bewusst in seinen Filmen mit Rot gearbeitet hat.

Und natürlich gibt es auch die Splatter- und Blutabteilung. Ich bin zwar hart im Nehmen, aber manches war auch mir zu viel.

Die notwendigen Informationen wurden vom Boden abgestrahlt und konnten mit Hilfe einer Karte projiziert werden. Damit konnte zwar die Ausstellung ganz in Schwarz-Rot gehalten werden, aber leider konnte immer nur ein Besucher die Erklärungen lesen.

„Rot“ hat mein Sehen geschärft. Und auch das Gefühl dafür, dass die Farbe nicht nur etwas ist, was da ist, sondern Teil eines Gesamtkunstwerks.

 

Quellen:

http://rot.deutsches-filmmuseum.de/

http://rot.deutsches-filmmuseum.de/zur-eroeffnung-von-rot/

http://www.imdb.com/find?ref_=nv_sr_fn&q=Almodovar&s=all

 

Dunkirk

Mai 1940.

Dünkirchen in Frankreich ist von deutschen Truppen eingekesselt. Im Hafen und am Strand warten britische Soldaten auf die Ausschiffung.

Das ist das historische Szenario, das Christopher Nolans „Dunkirk“ zu Grunde liegt.

Nolan konzentriert sich auf drei Personen: einen französischen Soldaten, der der Schlacht entkommen will; einem Engländer, der mit seinem Schiff im Rahmen der Operation „Dynamo“ bei der Evakuierung seiner Landsleute hilft und einem Jagdflieger, der sich mit den deutschen Stukas heftige Kämpfe liefert und am Ende in deutsche Kriegsgefangenschaft gerät.

Angenehm an dem Film ist das Fehlen jeglichen Pathos‘. Nolan erzählt seine Geschichte mit der Nüchternheit einer Zeitungsmeldung und steht damit im Gegensatz zu dem Hurra-Patriotismus unserer Zeit.

Leider ist der Film durch die häufigen Wechsel der Erzählperspektiven sehr unübersichtlich. Außerdem ist es schwer, in den Film hinein zu kommen. Uns fehlten die ersten fünf Minuten, weil wir etwas spät dran waren. Ich kann nur hoffen, dass die Vorgeschichte dort erwähnt wurde.

„Dunkirk“ ist kein Kriegsfilm. Er erspart dem Zuschauer die wirklich harten und brutalen Seiten des Krieges.

Er ist aber auch kein Antikriegsfilm. Dazu hat er zu wenig Botschaft oder Moral.

Kann man ansehen. Kann man aber auch bleiben lassen.

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_D%C3%BCnkirchen

Cinema, Nr. 08/17

 

Nach der Natur

The wind of change blows straight

 Into the face of time

 Like a storm wind that will ring

 The freedom bell for peace of mind

 Let your balalaika sing

 What my guitar wants to say

Take me to the magic of the moment

 On a glory night

 Where the children of tomorrow share their dreams

 With you and me

(Scorpions: Wind of Change)

 

Die Ausstellung „Nach der Natur“ im Bad Homburger Sinclairhaus beschäftigt sich mit Kunstwerken, die aus natürlichen Materialien entstanden sind.

Sie vereinigt moderne etablierte Künstler mit Studierenden der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Zu den Werken, die mich besonders beeindruckt haben, gehören:

Guiseppe Licari: Humus, 2015

Die Installation besteht aus Apfelbäumen, die kopfüber an die Decke gehängt wurden.

Die Bäume stammen aus dem Bad Homburger Schlosspark und mussten gefällt werden. Licari ließ sie aus der Erde heben, um sie für sein Kunstwerk zu nutzen.

Apfelbäume haben für die Region eine besondere Bedeutung, da aus ihren Früchten Apfelsaft und –wein gekeltert werden.

Früher war es in einigen Gegenden üblich, den Weihnachtsbaum an der Decke hängend zu schmücken. Heute wird das eher aus Platzmangel gemacht.

 

Florian Hundt: Transformative Paper, 2014

Der Künstler hat kleine Papierschnipsel aufgeklebt, die der Besucher mit Wasser besprühen kann. Das feuchte Papier wellt sich, und es entstehen so immer neue Blickwinkel.

 

Rikuo Ueda ist dem Wind verfallen. Er befestigt Stifte und lässt den Wind auf ein Blatt Papier malen. Es entstehen so filigrane Zeichnungen. Ueda hat außerdem den Wind in kleinen Döschen eingefangen, obwohl dieser sich nicht einfangen lässt. In vielen Kulturen ist der Wind ein Symbol für Freiheit und Veränderung.

Angela M. Fleig sucht sich ihre Materialien in der Natur und schafft so Kunstwerke aus Löwenzahnblüten, Samen, Blättern. Sie sind so zart, dass man sich gar nicht traut, näher zu kommen.

Etwas ratlos ließ mich das Projekt „Landscape Painting (Desert)“ des Künstlers Julius von Bismarck zurück.

Er ließ in der mexikanischen Wüste Kakteen und Felsen mit weißer Acrylfarbe besprühen und anschließend in den natürlichen Farben wieder bemalen.

Die mexikanischen Arbeiter mögen sich über die Verdienstmöglichkeit gefreut haben. Ob die Kakteen von ihrem Farbanstrich genauso begeistert waren, sei dahin gestellt.

Wenn der Künstler eine Botschaft hatte, dann habe ich sie nicht verstanden.

„Nach der Natur“ ist eine sehr witzige Ausstellung, die die Besucher gut gelaunt und mit einem Lächeln entlässt.

 

Quellen:

http://www.altana-kulturstiftung.de/museum-sinclair-haus/ausstellungen/aktuell/

http://www.historisches-franken.de/index08/Weihnachtsbaum2008.htm

http://www.zeit.de/wissen/2009-12/adventskalender-weihnacht-baum

http://www.songtexte.com/songtext/scorpions/wind-of-change-4bd92f8e.html